FR 16.11 — SO 23.12.18

Karma Ltd. Extended Chapter #7: WORK WORK WORK

Galerie 18h Exhibition

KARMA LTD. EXTENTED
Chapter #7: WORK WORK WORK

16.11 - 23.12.2018
ACUD Galerie
Veteranenstraße 21, 10119 Berlin

Deutsch Version

Künstlerinnen: Barbora Kleinhamplová in Zusammenarbeit mit Tereza Stejskalová und Ina Wudtke

AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG
16. November 2018, 18:00 Uhr (ACUD GALERIE)
„WORK WORK WORK“

ÖFFNUNGSZEITEN
17. November bis 23. Dezember, 2018 | Donnerstag - Sonntag von 17:00 – 20:00

BEGLEITSPROGRAM
30. November 2018, 19:00 - 21:00 (ACUD STUDIO)
ROUND TABLE in Zusammenarbeit mit SAVVY-Contemporary:
Radicals and Reformists: The Future of Work from a Feminist Perspective “

Teilnehmerinnen: Pauline Doutreluingne (Kuratorin), Barbora Kleinhamplová (Künstlerin), Karina Kottová (Kuratorin, Direktor der Jindřich Chalupecký Society), Petra Poelzl (Kuratorin), Tereza Stejskalová (Autorin, Kuratorin und Mitverfasserin des code of practice" for feminist art institutions) und Mary Scherpe (Mitbegründerin der feminist food club und Gründerin von Stil in Berlin)
Moderator: Jana J. Haeckel

„WORK WORK WORK” ist das siebte und letzte Kapitel der Ausstellungsreihe des Karma Ltd. Extended-Kollektivs, kuratiert von Jana J. Haeckel. Im Zentrum steht die Auseinandersetzung mit den prekären Arbeits- und Lebensbedingungen der digitalen Boheme, sowie der Aufruf zum Widerstand gegen den herrschenden „terror of presence“ (Hito Steyerl):

Thematischen Ausgangspunkt der Ausstellung bildet das 2006 von Holm Friebe und Sascha Lobo verfasste Buch “Wir nennen es Arbeit” , das euphorisch als „Manifest der digitalen Boheme“ gefeiert wurde. Die Berliner Autoren beschreiben darin das Internet als Einkommens- und Lebensader, mit dem sich durch den freiwilligen Verzicht auf feste Arbeitsverträge und eigene digitale Projekte, der alte Traum vom selbstbestimmten Leben verwirklichen liesse. Über 10 Jahre nach der Veröffentlichung fragt die Ausstellung „Work, Work, Work“, ob eine solch optimistische Leseweise in einer Gegenwart von Burn Out, Xanax und finanzieller Selbstverschuldung noch Bestand hat?

Die Arbeiten der Künstlerinnen Barbora Kleinhamplová in Zusammenarbeit mit Tereza Stejskalová und Ina Wudtke stellen dem digitalen Fortschrittsoptimismus die Diagnose einer „Müdigkeitsgesellschaft“ gegenüber (Byung-Chul Han). Sie thematisieren die Kehrseite der digitalen Selbstbestimmtheit, in welcher die „Ich AG“ zur Selbstausbeutung der Leistungsgesellschaft mutiert, da keine gesicherten Einkommensverhältnisse oder soziale Absicherungen mehr existieren und der Wohn-/Atelierraum durch die explodierenden Mieten nicht mehr bezahlbar ist. Leitkrankheiten wie Burn-Out und Depression sind das Resultat einer Leistungsgesellschaft, die Hyperaktivität und pausenlose Verfügbarkeit fordert. Die herrschende „Ökonomie der Präsenz“ wird zum „terror of presence“ , wie es die Künstlerin und Philosophin Hito Steyerl formuliert.

Die Installationen, Video- und Performancearbeiten zeigen verschiedene Aspekte des Status quo heutiger, fragwürdiger Arbeits- und Lebensverhältnisse der Generation Internet, in denen die selbst gewählte „Freiheit“ zum Gefängnis der Selbstoptimierung und permanenten Verfügbarkeit wird. Sie spiegeln die herrschende Prekarität wieder und entziehen sich der systemischen Gewalt, indem sie Manifeste verfassen, zum Schlaf aufrufen sowie feste KünstlerInnenhonorare und Wohnraum in einer von Gentrifizierung und Ausverkauf gezeichneten Hauptstadt einfordern. Dies tun sie mit intellektueller Schärfe, Humor und visionärer Weitsicht.

Biografien

Barbora Kleinhamplová (*1984) ist eine Künstlerin, die in Prag lebt und arbeitet. Barboras Arbeit ist in der Beziehung zwischen der menschlichen Existenz und zeitgenössischen politischen und wirtschaftlichen Institutionen verwurzelt. Sie kommentiert verschiedene Schichten der Gesellschaft und stellt hinterfragt, was Gesellschaft ist, wie sie funktioniert und was ihre konstitutiven Elemente, Krankheiten, Emotionen und Zukünfte sind. In letzter Zeit hat sie eine Strategie verfolgt, die wir als konstruierte oder inszenierte Situationen bezeichnen könnten. Das Konzept ihrer Arbeiten basiert oft auf einem bestehenden Format der Gruppeninteraktion (Therapie, Coaching etc.) während die performative Ebene ihrer Projekte die symbolische Rolle der Körperpolitik in aktuellen Machtsystemen betont.
Ihre Arbeiten wurden sowohl in Tschechien als auch international ausgestellt - darunter die Jakarta Biennale (2017), die 11. Gwangju Biennale (2016), die Elizabeth Foundation for the Arts, New York (2016), das New Museum, New York (2014), oder Astrup Farnley Museet, Oslo (2014). Sie erhielt ein Stipendium im Rahmen des Residency Programms von MMCA, Seoul, Südkorea im Jahr 2015, Gasworks, London im Jahr 2016 und Residency Unlimited im Jahr 2017. Im Jahr 2015 erhielt sie den Jindřich Chalupecký Award.

Tereza Stejskalová ist eine Kuratorin und Autorin aus Prag, Tschechien. Sie ist Teil der tranzit.cz - Plattform und unterrichtet am Film-Department der Prager Kunsthochschule. Ihre kuratorische Arbeit verfolgt eine wissenschaftliche und kollaborative Ausrichtung. Zu ihren jüngsten Projekten zählt ein wissenschaftliches Langzeitprojekt über den kulturellen Austausch der Tschechoslowakei und der so genannten "Dritten Welt" in Zusammenarbeit mit Zbyněk Baladrán. Zahlreiche Fragmente dieser Forschung flossen in die Konzeption der Ausstellungen Kids Want Communism im Museums Bat Yam (Tel Aviv 2016), Kunstraum Kreuzberg/Bethanien (Berlin 2017) und It Won’t Be Long Now, Comrades (Framer Framed, Amsterdam 2017) ein oder wurden 2017 als Ganzes in der Ausstellung Biafra of Spirit in der National Galerie Prag gezeigt. Im vergangenen Jahr organisierte sie das sechsmonatige Seminar Feminist (Art) Institution im Tranzitdisplay (Prag), welche als Resultat einen Leitfaden zu feministischen Kunstinstitutionen hervorbrachte. Zusammen mit ihren KollegInnen von tranzit.cz arbeitet sie gegenwärtig zu der Frage, wie in Prag eine institutionskritische Biennale etabliert werden kann.

Ina Wudtke ist bildende Künstlerin. Seit Januar 2018 ist sie künstlerische Mitarbeiterin der documenta Professur an der Kunsthochschule Kassel. Ihre recherchebasierte Arbeit hinterfragt hegemoniale politisch-gesellschaftliche Diskurse und stärkt Gegendiskurse zu Themenfeldern wie Arbeit, Gender und Wohnen. Von 1992 bis 2004 gab sie das queer-feministische KünstlerInnenmagazin NEID heraus. 2011 erschien unter ihrem Pseudonym T-INA Darling die Konzept-LP The Fine Art of Living über die Verdrängung von EinwohnerInnen mit niedrigem Einkommen aus den Innenstädten. Zusammen mit dem belgischen Philosophen Dieter Lesage schrieb sie das Buch Black Sound White Cube. Die Audiologie des Ausstellungsraums (Wien, Löcker Verlag, 2011). Im Oktober erschien ihr Buch The Fine Art of Living (Archive Books, 2018). Ausstellungsauswahl: Saalbau, Berlin 2018; BAZA, Zagreb 2017; RAM Galleri, Oslo 2016; Kunst Haus, Wien 2015; Dansens Hus, Stockholm 2014; Incheon Women Artists' Biennial, Incheon South Korea 2011; Beursschouwburg, Brüssel 2010; kjubh, Köln 2010 und Studio Voltaire, London 2007. www.inawudtke.com

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Karma Ltd. Extended/Chapter #7: WORK WORK WORK ist gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa.
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Kuratiert von Jana J. Haeckel (Karma Ltd. Extended)
Assistenzkuratorin: Livia Tarsia In Curia
Kuratorial Praktikantin: Hazal Kaygusuz
Ausstellung Design: Hazal Kaygusuz und Torsten Oetken
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KARMA LTD. EXTENDED ist eine kuratorische Kollaboration zwischen Pauline Doutreluingne, Jana J. Haeckel und Petra Poelzl, welche sich inhaltlich auf die Verbindungen sowie Auswirkungen des digitalen Wandels auf die politischen, sozialen, ökologischen und ökonomischen Lebensbedingungen der Gegenwart bezieht. In einer Gegenwart, in der das menschliche Vorstellungsvermögen an seine Grenzen stößt, stellt Karma Ltd. Extended die Kraft der Imagination ins Zentrum, um nach alternativen Erzählungen in der Gegenwart und nahen Zukunft zu suchen. Karma Ltd. Extended ist politisch, poetisch, performativ, intersektional feministisch, experimentell und vieles mehr.

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English version

KARMA LTD. EXTENDED warmly invites you to:
Chapter #7: WORK WORK WORK

16.11 - 23.12.2018
ACUD Galerie
Veteranenstraße 21, 10119 Berlin

Artists: Barbora Kleinhamplová in collaboration with Tereza Stejskalová and Ina Wudtke

OPENING
November 16. 2018, 18:00pm (ACUD GALERIE)

OPENING HOURS
November 17 - December 23 2018 | Thursday - Sunday from 17:00 – 20:00

ACCOMPANYING PROGRAM
November 30 2018, 19:00 - 21:00 (ACUD STUDIO)
ROUND TABLE in collaboration with SAVVY-Contemporary:
Radicals and Reformists: The Future of Work from a Feminist Perspective “

Participants: Pauline Doutreluingne (curator), Barbora Kleinhamplová (artist), Karina Kottová (curator, director of the Jindřich Chalupecký Society), Petra Poelzl (curator), Tereza Stejskalová (writer, curator and co-author of the code of practice for feminist art institutions) and Mary Scherpe (co-founder of the feminist food club and founder of Stil in Berlin)
Moderator: Jana J. Haeckel

„WORK WORK WORK” is the seventh and last chapter of the Karma Ltd. Extended –exhibition series, curated by Jana J. Haeckel. The show addresses the precarious working and living conditions of the digital bohemian and calls for resistence against the current “terror of presence” (Hito Steyerl).

The Point of departure is the publication “Wir nennen es Arbeit” (“We Call it Work”) - a book published in 2006 by the journalists Holm Friebe and Sascha Lobo, that has been euphorically celebrated as the manifesto of Berlin’s digital bohemian. The authors describe the Internet as a source of income and existence, through which the old dream of a self-determined life could be realized by the renouncement of fixed employment contracts and independent digital projects. In the face of today’s increasing sickness - symptoms of neoliberalism, such as burn out, the use of Xanax and precarious living conditions, the exhibition “WORK WORK WORK” asks if such an optimistic interpretation is still valid today.

The artistic works of Barbora Kleinhamplová in collaboration with Tereza Stejskalová and Ina Wudtke address the flip side of digitization, linked to the concept of a Fatigue Society (Byung-Chul Han). They portray the insecurities, dependencies and struggle of a society defined by digital self-determination on the one side and low income, poverty, and a growing housing crisis on the other. By questioning the “terror of presence” (Hito Steyerl), they claim that symptoms like burn out, depression and fatigue are caused by an incessant compulsion to perform in a world obsessed with doing. In these terms, a refusal to engage with, or to share in, a digital network culture that demands a permanent state of receptivity can become a powerful statement both politically and personally.

The installations, video- and performance works discuss several aspects of today’s questionable working and living conditions in which the self-imposed "freedom" becomes a prison of self-optimization and permanent availability. They reflect on the prevailing precariousness and systemic violence by writing manifestos, calling for sleep and asking for fixed artist fees and rental agreements. By using intellectual sharpness, humor and visionary foresight, they aim to change the living and working conditions in today’s Berlin, marked by gentrification and real estate speculations.

Biographies

Barbora Kleinhamplová (*1984) is an artist living and working in Prague. Barbora’s work is rooted in the relationship of human existence and contemporary political and economical institutions. She comments on different layers of society, posing questions as to what society is, how it works, and what its constitutive elements, illnesses, emotions and future are. Recently she has been employing a strategy we might refer to as constructed or staged situations. The script of her works is often derived from an existing format of group interaction (therapy, coaching session etc.) and the performative dimension of her projects accents the symbolic role of body politics in current systems of power.
Her work has been exhibited widely in the Czech Republic as well as internationally - including the Jakarta Biennale (2017), 11th Gwangju Biennale (2016), The Elizabeth Foundation for the Arts, New York (2016), New Museum, New York (2014), or Astrup Farnley Museet, Oslo (2014). She received a scholarship within the framework of the residency program of MMCA, Seoul, South Korea in 2015, Gasworks, London in 2016 and Residency Unlimited in 2017. In 2015 she received the Jindřich Chalupecký Award.

Tereza Stejskalová is a curator and writer from Prague (Czech Republic). She is part of tranzit.cz and she lectures at the Film Academy of Performing Arts in Prague. Her curatorial projects are research-based and collaborative. Her recent endeavours include a long-term research on the cultural pollination between Czechoslovakia and the so-called Third World in collaboration with Zbyněk Baladrán. Various fragments of this research have been included in Kids Want Communism at Museums Bat Yam, 2016, Kunstraum Kreuzberg/Bethanien, Berlin, 2017, It Won’t Be Long Now, Comrades, Framer Framed, Amsterdam, 2017, or presented as an exhibition Biafra of Spirit at the National Gallery in Prague, 2017. Last year she organized a six-month long seminar Feminist (Art) Institution at Tranzitdisplay, Prague in 2017 with the code of practice of feminist institution as a result. Together with her colleagues at tranzit.cz, she now researches the possibility of establishing a biennale in Prague as a critical and self-critical institution.

Ina Wudtke is a visual artist based in Berlin. Since 2018 she is an artistic researcher of the documenta professorship at the Kunsthochschule Kassel (School of Art and Design Kassel). Her research-based work questions hegemonic sociopolitical discourses and strengthens counter-discourses around themes such as work, gender, and housing. From 1992 to 2004 she published the queer-feminist artists’ magazine NEID. In 2011 she released the conceptual LP The Fine Art of Living under her pseudonym T-INA Darling, which dealt with the displacement of low-income populations from city centers. Together with the Belgian philosopher Dieter Lesage, she wrote the book Black Sound White Cube (Vienna, Löcker, 2010). In October 2018 her book The Fine Art of Living (Archive Books, 2018) was launched. Selected exhibitions: Saalbau, Berlin 2018; BAZA, Zagreb 2017; RAM Galleri, Oslo 2016; Kunst Haus, Wien 2015; Dansens Hus, Stockholm 2014; Incheon Women Artists' Biennial, Incheon South Korea 2011; Beursschouwburg, Brussels 2010; kjubh, Cologne 2010 and Studio Voltaire, London 2007. www.inawudtke.com

Curated by Jana J. Haeckel (Karma Ltd. Extended)
Curatorial Assistant: Livia Tarsia In Curia
Curatorial Intern: Hazal Kaygusuz
Exhibition design: Hazal Kaygusuz and Torsten Oetken
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Karma Ltd. Extended/Chapter #7 is funded by Senatsverwaltung für Kultur und Europa.
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Karma Ltd. Extended is a curatorial collaboration between Pauline Doutreluingne, Jana J. Haeckel and Petra Poelzl that refers to the connections and effects of the digital transformation on the political, social, ecological and economic living conditions of the present. It puts the human imagination centerfold by focusing on artistic narratives about future possibilities of coexistence. In their research, the curators search for artistic trajectories and visions that broaden our senses for unexpected fantasies. They focus on the acting subject and design a wide variety of counter-perspectives and alternatives. Karma Ltd. Extended is political, poetic, performative, intersectional-feminist, experimental and much more.

For press inquiries: karmapress@acudmachtneu.com